Trendsportart Freeletics birgt hohes Verletzungsrisiko

Freeletics kennt ihr ja bereits aus unserem Beitrag über die drei Trendsportarten des Jahres. In dem Beitrag haben wir berichtet, dass die Workouts super-tough sind. So sehr, dass sie mancher Arzt stark kritisiert.

Zugegeben, als ich den Text damals geschrieben habe, habe ich noch überlegt, wie man sich bei den Workouts verletzen kann. Ich hielt es für total unwahrscheinlich, übertrieben. Meine Motivation überstieg meine Vernunft um einiges. Dann wurde ich allerdings eines Besseren belehrt: Muskelfaserriss im linken Arm. Autsch!

Kann bei 200 Liegestütze ja schon mal vorkommen. Und bei falschem Ehrgeiz… Vielleicht auch, weil der gesunde Menschenverstand kurzzeitig mal ausgesetzt hat. Da musste selbst der behandelnde Arzt im Krankenhaus schmunzeln.

Ärzte kritisieren besonders die hohen Wiederholungszahlen der Übungen und die fehlende medizinische Einstufung einer Person, sowie die fehlende Kontrolle der Ausführungen. Jemand der hundert Kilo wiegt, sollte nicht direkt mit 150 Liegestützen beginnen, geschweige denn Burpees.  Hier entsteht eine enorm hohe Belastung für das Herz-Kreislauf-System und die Gelenke. Ein weiterer Kritikpunkt ist das Training auf Zeit. Durch die vorgegebene Wiederholungszahl und die stetigen Zeitkontrollen entwickelt sich bei der Person oftmals falscher Ehrgeiz und auch bei nicht übergewichtigen Menschen kommt es hier oft zu Verletzungen.

Man sollte auf jeden Fall darauf achten sich vorab richtig aufzuwärmen und bevor man überhaupt mit dem ersten Workout beginnt einen Arzt aufsuchen, der einen durchcheckt und dann grünes Licht gibt.

Generell sollte jeder für sich ein gesundes Maß an Workouts finden und sich nicht zu sehr auf seinen Coach versteifen. Besonders wichtig sind auch Ruhetage, damit sich der Körper erholen kann.

Zudem gilt nach wie vor der Spruch: Der Körper wird zu 80% in der Küche gemacht. Freeletics bietet zwar auch einen Ernährungscoach an, vermarktet diesen aber nicht ansatzweise so intensiv wie das Fitnessprogramm. Das finde ich persönlich irgendwie auch nicht richtig: Beides muss schließlich im Einklang sein, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Für mich ist das höchste Risiko bei Freeletics der Suchtfaktor. Man möchte immer schneller und besser als andere sein, sich steigern, dass es auch anderen auffällt. Dabei vergisst man ganz leicht, auf seinen eigenen Körper zu hören. Es geht nur noch um Leistung. Spaß und Erfolg finden nicht mehr zusammen, es ist wie eine Droge.

Eins muss man Freeletics jedoch lassen: Der Service ist unschlagbar gut. Kaum hatte ich das Attest abfotografiert und eingesendet, wurden mir die verpassten Wochen im Coach gleich gutgeschrieben und zeitlich hinten dran gehängt.

Und wer den Biss hat und zusätzlich einen gesunden Körper, für den zahlt sich Freeletics aus. Alleine schon wegen des fairen Preises, an den vermutlich kein Fitnessstudio herankommt.

 

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